Afrika Bambaataa: Galactic Humans - Zwischen Zen und Planet Rock

Foto: Sean-Jin

Afrika Bambaataa, dass ist der Godfather Of HipHop, Gründer der Zulu Nation, aber auch ein ganz normaler DJ und Mensch. Trotzdem ist die Legende immer noch hungrig, “grounded” und willensstark bei der Verbreitung seiner Botschaft.

Trifft man auf eine DJ-Legende und hat nur ca. 30 Minuten Zeit wird es schwierig. Schaut man auf das bewegte Leben von Afrika Bambaataa, so genügt diese eine halbe Stunde lediglich, um an der Oberfläche zu kratzen. Obendrein muss man wachsam sein vergangene Verdienste nicht mit der Gegenwart zu vermischen. Schaut man sich zum Beispiel Michael Jackson oder James Brown an, so sind diese beiden beeindruckenden Künstler heute scheinbar nur noch verstörende Karikaturen ihrer selbst. Trotzdem glänzten sie in ihrer Hochzeit heller als alle anderen und sind aus der menschlichen Musikgeschichte nicht mehr wegzudenken.

Zum Glück trifft dass auf Afrika Bambaataa, den viele auch gerne liebevoll Bam nennen, nicht zu. Der ehemalige Warlord, Zulu-Nation-Gründer und Initiator von Elektro hat sich über die Jahre seine autonome Position bewahrt. Im Interview erzählt er, dass er auch heute noch Interesse und Verbundenheit zu den “Seelen der Straße” besitzt. Überprüfen kann man das als Interview-Partner zwar nicht, doch glauben schon. Vor allem weil der wuchtige Mann so unprätentiös und unglamourös erscheint. Zwar residiert er im Kölner Hilton, aber irgendwie ist das kleine Räucherstäbchen und sein belgischer Nachwuchs-Künstler, der ihm aufmerksam Wasser nachschenkt, niedlich, gar putzig, aber keineswegs unglaublich ehrfurchteinflößend.

Der Zeremonienmeister

Jetzt wie auch später bei seinem DJ-Set wirkt Bam wie ein Buddha, der geläutert, relaxt und schwergewichtig im Sattel des Lebens sitzt. Mit spärlichen, aber ausreichenden Bewegungen und wachem Verstand sitzt er da, erklärt und erläutert. Genauso faszinierend entpuppt sich das Beobachten des DJs beim Auflegen. Zwar sind die Platten, die der Amerikaner mitbringt nicht wirklich innovativ oder herausragend, doch selten habe ich einen DJ so perfekt cutten gesehen. Unspektakulär und mit minimalistischen Bewegungen und doch flink, werden die Platten aneinandergereiht und Bam mixt während die Menge feiert ungerührt wie ein Mönch die Beats – perfektionierte Coolness.

Minutenübergänge vermisst man bei ihm schmerzlich, doch das Publikum hat Mister Planet Rock im Griff. Vor allem, weil er zu Anfang erst einmal richtig tief in die Klassiker-Schublade greift. Selbst bei so einem jungen Publikum, wie in Köln, funktionieren die Oldies-but-Goldies hervorragend. Witzig sind auch die Platten, die ohne sein zutun Hits einfach aneinandertackern ohne dass Bam ins Schwitzen gerät.

Auch vermitteln und vertiefen die immer wiederkehrenden Statements zur Spiritualität im Gespräch den Eindruck eine Art Zeremonienmeister vor sich zu haben. Denn seinen Glauben an Gott und eine alles übergreifende Macht betont er immer wieder. Wachsam sein und wissen was um einen herum geschieht ist ihm wichtig. Deswegen antwortet er eindeutig auf die Frage, was für ihn die Essenz von HipHop sei einfach mit: “Knowledge. Denn Knowledge ist dass, was die ganzen HipHop-Disziplinen von B-Boying bis hin zu Graffiti zusammen halten. Ohne Knowledge kann ein Rapper nicht mit seinen Worten jonglieren. Ohne Knowledge, also dem Wissen, wie man ein Graffiti sprüht oder Auflegt, funktioniert HipHop nicht. Denn Knowledge, dass ist die Kultur, dein Force-Element, dein drittes Auge, dass alles, also die ganze Bewegung zusammenhält.”

You gotta move somethin’

Solche Meinungsäußerungen unterstreichen den Willen zur positiven Veränderung der Welt. Den hat sich Bam bis heute bewahrt. Schon zu Beginn der Entstehung der HipHop-Kultur gründete er die Zulu Nation. Das ehemalige Gang-Oberhaupt war die zermürbenden Kämpfe unter den Schwarzen einfach leid und suchte mit der Vereinigung unter anderem auch die Schießereien und Prügeleien auf ein sportlicheres Niveau zu Hieven, dass niemanden verletzt. So entstanden die ersten dicken HipHop-Blockparties.

Abgeschaut wurde da auch sehr viel vom nach New York emigrierten Jamaikaner Kool DJ Herc, der die Idee des Sound-Systems in die Staaten brachte. Kool DJ Herc baute sich nämlich nach jamaikanischem Vorbild eine Anlage zusammen, die in den Anfängen die lauteste und basslastigste in ganz New York war. Später sporteten dann in Battles die einzelnen Sound Systems gegeneinander. Mit dabei waren unter anderem DJs wie Grandmaster Flash, der selbst dank Mutti eine Ausbildung als Elektroniker genossen hatte und somit sein eigenes Equipment zusammenbasteln konnte. Das war wichtig, denn wer keine eigene Anlage besaß, konnte sie nicht im Park repräsentieren. Denn das war die Voraussetzung für einen Battle, da in der Regel zwei Anlagen einander gegenüber aufgebaut wurden, um danach abwechselnd eine Stunde volles Programm zu fahren. Rap-Crews und B-Boy-Teams waren dabei nicht weit und somit bildete sich eine neue Form körperlicher Auseinandersetzung.

Auch wenn man heute weniger von den Großen der damaligen Zeit zu berichten weiß, laut Bam sind die alten Legenden immer noch im Geschäft. Unter anderem ist im November das HipHop- und Zulu Nation-Anniversary-Event in New York geplant. Dort sollen alle aufschlagen und es wird wie in alten Tagen derbe gefeiert.

No Apartheid-DJs, please!

Doch was für Tipps hat eigentlich eine Legende wie Bambaataa für junge DJs parat? Was empfiehlt der Mann, der sich ausgiebig bei Kraftwerk für sein Planet Rock bedient hat, dass später Styles wie Miami Bass oder Elektro initiierte und überhaupt möglich machte?

“Der wichtigste Trick ist deine Musik zu kennen. Natürlich musst du dein Publikum kennen und was für Styles du bringen musst, damit das Haus brummt. Aber du solltest dich auf keinen Fall nur auf einen Style festlegen. Zwar kannst Du dann für einen Moment in deinem Spezial-Genre groß sein, aber was kommt danach? Wenn du also kein Geld mehr mit HipHop verdienst und du Techno magst, dann spiel Techno. Es gibt nichts schlimmeres als Apartheid-DJs, die nur MinimalHouse in einem Tempo spielen. Wer mehrere Musikrichtungen liebt, der sollte sie auch auflegen und kann somit auch auf verschiedenen Parties auflegen und jederzeit variieren. Allein sich selbst muss er verpflichtet sein.”

Mixing it all together

Wie kreativ ein DJ sein Tun gestaltet liegt in seiner Hand. Fragt man Bam nach dem Genre, dass ihn in den letzten Jahren am meisten beeindruckt hat, so antwortet er Jungle und Drum&Bass. “In New York haben wir daraus dann einen ganz eigenen Stil gemacht und ihn JungHop genannt. Dabei haben wir einfach die Tunes krass runtergepitcht, damit sie auch zwischen schnellere HipHop-Tracks passten.”, erklärt er und schmunzelt selbst ein bisschen angesichts der Zweckentfremdung.

Über die Jahre hat der New Yorker immer wieder bewiesen, dass er sich selbst ein wenig neu erfinden konnte. Vor allem kann man das seiner unendlichen Neugierde zuschreiben, die ihn immer wieder antreibt mit anderen DJs und Produzenten zu kooperieren. Sei es nun Westbam oder aktuell Hardy Hard, der einigen vielleicht noch aus seinen Zeiten als Happy-Raver Hardsequencer bekannt ist. Bam ist es wichtig zu kombinieren, denn das ist schließlich die Aufgabe eines DJs: “New Styles and Old Styles. Something back from the ancient days and something new from the future. That’s what HipHop-DJing is all about.” Punkt. (mo.)

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