Filmpalast: Exotische Clubtracks in Schleifenform

Filmpalast ist das Projekt von Dirk Schlling und steht für loop-betonte House-Tracks der forscheren Gangart. Trotz seines Erfolges bleibt der Produzent und Musiker jedoch bescheiden und freut sich immer wieder, wenn er in Plattenkoffern von DJs, nicht zuletzt auch in dem von Timo Maas, landet.

Im Gespräch entpuppt sich Dirk als smarter und bedachter Künstler, der schon etliche Jahre als Musiker hinter sich gebracht hat. “Ich versuche in meinem kleinen bescheidenen Rahmen zu wirken und mit meiner Musik immer wieder ein Stückchen vorwärts zu kommen.” Natürlich klingt das nach Understatement, denn mittlerweile erscheinen seine Tracks nicht nur als Vinyl bzw. CD, sondern werden auch gerne für Compilations lizensiert. Trotzdem schützt sich Dirk mit seiner zurückhaltenden Art vor Enttäuschungen und bewahrt sich seine Immunität. Denn nach Jahren im Musik-Biz, weiß er, dass es auf und ab gehen kann und dass er sich seine jetzige Position hart erkämpft hat. Irgendwelche Pop-Star-Allüren liegen ihm deshalb fern, schließlich braucht man nicht “einen Arsch voll Geld.”

Me, Myself and My MPC

Zur elektronischen Musik ist der (Rock)Gitarrist über Umwege gekommen. Vor allem langweilte ihn irgendwann das immergleiche Muster und die begrenzte Welt der 3:30-Songs. Dabei wollte er zurück zu den größeren Spannungsbögen, wie er sie von frühen 70er-Jahre-Rockplatten seit jeher liebt. Obendrein war es für ihn manches Mal schwer zu akzeptieren, dass Musikprojekte mit Freunden und Bekannten irgendwo im Nichts oder ganz woanders zu enden schienen, als er selbst gerne wollte. Autonomes Arbeiten wurde mit der Zeit immer wichtiger. Ein großer Schritt in Richtung Selbstständigkeit ermöglichte dann der Erwerb einer MPC2000. Vor allem begeisterte ihn das intuitive Arbeiten mit dem Gerät. Denn das schnelle Festhalten von Ideen und musikalischen Momenten gilt als einer der Grundfeiler seiner Arbeit.

“Mein Ansatz lautet: Das Entscheidende ist die musikalische Idee gepaart mit dem eigenen Gefühl in diesem Moment. Wenn du das hinbekommst, diese Gefühlslage mit einer musikalischen Idee zu verknüpfen, dann ist das großartig.”

(T)Raumschiff Orion und sein Loop-DJ

Zwar liebt er heute noch seine MPC heiß und innig, ist jedoch mittlerweile in die vielversprechende Software-Welt mit seinem Laptop abgetaucht. Beim Musikmachen geht es ihm vor allem so weit wie möglich das intuitive Arbeiten an Tracks zu bewahren.

Wer elektronische Musik produziert kommt da an Loops nicht vorbei. Damit sind jetzt nicht ausschließlich Sampleschleifen gemeint, sondern die Loop-Funktion, wie man sie von sämtlichen Programmen angefangen von Reason über Live bis Logic kennt. Dirk richtet in seiner Musik vor allem auf diese Elemente sein Augenmerk. “Während des Produzierens suche ich die Schleifen, die die Essenz des Ganzen sind.” Überflüssigen Schnickschnack lässt er dabei nonchalant unter den Tisch fallen. Aufwändige Breaks, ein Klick hier, ein Frickelbaustein dort, ist nicht seine Art. Seiner Ansicht nach interessieren diese Dinge die Clubgänger in der Regel auch nicht.

Hervorragend eignet sich deswegen für ihn ACID. ACID benutzt er vor allem um Loops in Form zu bringen. “Das Programm ist die einzige Time&Pitch-Maschine die richtig funktionierte bis Live von Ableton erschien. Wenn es darum geht noch so skurrile Loops zusammenzubringen plus der einmaligen Stimmmöglichkeiten, ist ACID abgesehen von Live unschlagbar.” Importiert werden die manipulierten Schleifen dann in Orion, dass hierzulande kaum einer kennt. Die amerikanische Software hat es Dirk vor allem deswegen angetan, da er den einzelnen Instrumenten und Samples jeweils einen Mischpult-Kanal zu weisen kann. Das reine PC-Programm besitzt obendrein für jeden Kanal eine VST2-Schnittstelle und erlaubt somit das Einschleifen von Effekten und Synthies. “Mit Orion kannst du offen an den Kanälen arbeiten. Ich liebe es auf das Pult zu gucken und zu sehen wo alle Instrumente frequenz-artig angeordnet sind. Für mich ist es extrem wichtig zu wissen, in welchem Frequenz-Spektrum sich die Sounds befinden. Das ist so, als ob du einen Fächer bastelst bei dem du die Samples genau auf die Frequenzen zuschneidest. Außerdem besitzt das Programm einen fantastischen Sampler. Für jedes Instrument kannst Du eine eigene Loop erstellen und genau die Zyklen festlegen in denen es ablaufen soll. So kannst Du 8 gegen 16 Takte oder auch 10 gegen 4 Takte laufen lassen. Mit vielen anderen Programmen ist das schwierig.”

Der Live-Act generiert das Album

Wenn Dirk live performed, sieht er sich eher als Loop-DJ, da er seine Live-Acts in Form von Loops und Samples vorbereitet, die er dann neu zusammenmixt und mit Hilfe von Effekten bearbeitet. Logischerweise übt er für solche Momente genauso, wie ein DJ auch. Da wollen unter anderem auch mal gleichzeitig 3 Knöpfe mit der einen Hand und die andere am Fader koordiniert werden.

So verwundert die Clubtauglichkeit des Albums gar nicht. Denn sämtliche Tracks wurden auf Adrenalingehalt, Schweißausstoß und Euphorie getestet. Glücklich erzählt Dirk, dass das Feedback von DJs via Email oder das Feedback auf einen Live-Act am Abend ihm einfach mehr bedeuten als alles andere.

Amüsiert erwähnt er im Interview einen Abend, an welchem eine “junge charmante Dame” ihn natürlich und unaufdringlich während seiner Performance ansprach. Da er auf sie nicht so wirklich eingehen konnte, merkten beide auf einmal: “Hey, es ist live und wir sind dabei!” Und das sind schließlich die unbezahlbaren Momente, die die Rakete mit neuer Energie versorgen, die einen begeistert einen solche Nacht nie vergessen lassen. (mo.)

Künstler-Website: www.filmpalast.co.uk