Gus Gus - Club-Beats von der Vulkaninsel

Musiker die in Island aufgewachsen sind und dort leben, haben ein großes Problem und einen noch größeren Vorteil. Zwar wohnen sie auf der zweit-größten Insel Europas, doch beschränken sich die potentiellen Käufer auf um die 300.000 Menschen – Kinder und Greise mitgezählt. Trotzdem können sich die Künstler und Produzenten gelassen zurücklehnen, schließlich wohnen sie auf der größten Vulkaninsel der Welt. Auf dieser wimmelt es nur so vor Elfen und sagenumwobenen Gestalten, dass glaubt zumindest der Rest der Welt.

Doch auch wenn man ein wenig realistischer und ein wenig neidisch auf die Exklusivität herüberschielt, bleiben doch einige sehr interessante und herausragende Fakten übrig an denen sich nicht rütteln lässt: nämlich international anerkannte und eigenwillige Musiker. Zwar kokettiert eine gewisse Künstlerin gerne mit dem Image einer verschrobenen süßen Fee, beweisen die anderen Artist und Gruppen wie Ozy, Sigour Rós, Múm und nicht zuletzt GusGus, dass auch was geht auf der Insel ohne gleich Phantastisches herbeizubeschwören.

Denn das schroffe Eiland beeinflusst seine Bewohner nicht nur mit einzigartiger Natur, sondern vor allem auch durch die einzigartige bestehende Kulturdichte. Diese entsteht vor allem aus der Kommunikation und dem Angebot. So gibt es pro Kopf nicht nur die meisten Zeitungen, sondern auch die meisten Theater- und Opernbesuche, die weltgrößte Dichte an Computern und Mobiltelefonen und schließlich eine sehr rege Benutzung des Internets. Kein Wunder also, dass GusGus zu Anfang als Kollektiv mit 9 Mitgliedern bestehend aus Filmemachern, Musikern und Sängern bestand. Deswegen waren die furiosen Auftritte immer auch ein multimediales Spektakel und GusGus kommunizierte nicht nur über Musik, sondern auch durch selbstproduzierte Videoclips ähnlich wie Underworld oder Orbital.

Mittlerweile hat sich das Kollektiv jedoch gesund geschrumpft und ist mit vier Mitgliedern beweglicher und leichter zu greifen als zuvor. Neu dabei ist Earth. Die ehemalige Kellnerin bestand so lange auf eine Chance für ein Vorsingen bis sie endlich bei einem Gig auf die Bühne durfte. Mit Freude und leichtem Stolz erzählt sie ruhig und besonnen, dass sich dann eins zum anderen ergeben hätte. Souverän plaudert die junge Frau mit jener isländischen Aussprache, die wir schon von Björk kennen und vertritt solo auf ihrer Promoreise durch Deutschland das ganze Team. Auch wenn ihr aktuelles Album “Attention” schon anderthalb Jahre alt ist, und die Vier bereits fleißig an neuen Tracks arbeiten, erscheint es erst jetzt offiziell mit Vertrieb in Deutschland.

Dabei klingt es wie ein Roh-Diamant, ungeschliffen und rau. Über allem schwebt immer ein Touch von Old-Skool-Techno und -House, was Earth nicht zuletzt Biggi Veiras Liebe zu alten Synthies und Drummachines wie der 909 und 808 zuschreibt. Den Produzenten Biggi Veira beschreibt sie hierbei als musikalisches Mastermind und den Sound von GusGus als “pure and simple”. Die Band legt nämlich sehr viel Wert darauf, dass die einzelnen Sounds für sich sprechen und reduziert deswegen jeglichen technischen Schnickschnack.

Auch wenn sich Biggi Veira hauptverantwortlich für die Sounds zeigt, so schrauben die anderen Mitglieder genauso fleißig an den Maschinen mit. Natürlich zeigen die Jungs ihrer Sängerin auch wie diese funktionieren, weil es bei GusGus in keinster Weise eine Trennung der Bereiche gibt. “Ich weiß, ich habe noch viel zu lernen, aber es ist einfach großartig!”, berichtet sie. Schüchterner wird sie da schon, wenn man sie auf ihre Tätigkeit als DJ-Frau anspricht. Wo ihre Stimme aus dem Herzen kommt, weiß sie, dass sie als Plattendreherin noch einiges zu lernen hat. Trotzdem hat sie als Bandmitglied jedoch einen entscheidenden Vorteil gegenüber den anderen DJs aus Reykjavik. Durch ihre Reisen bekommt sie vielerorts Zugang zu Vinyl, welches sie in der Form wohl nicht in der Hauptstadt bekäme.

Dort gibt es lediglich einen Plattenladen, der mit Liebe und Engagement die Szene versorgt, doch in der Regel nur ein oder zwei Exemplare eines Release einkauft. Somit ist der erste Käufer meist auch der letzte und Glückliche, berichtet Earth schmunzelnd. Außerdem gibt es eigentlich auch keine wirklichen Clubs in Island, sondern glänzt das Vinyl eher in Cafés und Bars. Wenn sie selbst einen solchen Abend gestaltet, dann bevorzugt mit Deep- und Progressiv House à la Moody-Man, King Britt oder Blaze. “Ein Trademark besitze ich allerdings noch nicht, den Punkt habe ich noch nicht erreicht. Da brauche ich noch definitiv mehr Erfahrung.” Doch bevor das geschieht wird zuerst noch die Welt mit energetischen Live-Acts erobert, denn das ist definitiv eines der Trademarks von GusGus. (mo.)

Als kleiner Info-Block ans Ende!

Links zu Gus Gus

Gus Gus Website: www.gusgus.com
Mehr Infos über Island: www.eldey.de