System - Musik Entsteht Wenn Man Café trinkt

Mit ihrem Projekt System huldigen Thomas "Opiate" Knak, Anders "Dub Tractor" Remmer und Jesper "Acustic" Skaaning auf ~scape music ihrer Liebe zu Dub. Gemeinsam bildet das Trio ein Team, bei welchem dem Einzelnen, aus der Zusammenarbeit in den letzten Jahren gewachsen, eine eigene Aufgabe zukommt. Während Anders Remmer ganz seinem Beruf als Lehrer folgt und in seinem Studio die Regie an Computer und Reglern übernimmt, bildet Jesper Skaaning die Säule aus Melodien. Liebevoll bezeichnet ihn deswegen Anders auch als "Melody Man" und bewundert dessen Stärken im Entfalten von Akkorden. Thomas Knak schließlich mit seinen wuscheligen Haaren und den aufmerksamen Augen überwacht in diesem System die Produktion und macht seine Freunde auf interessante Stellen aufmerksam.
Musik entwickelt sich bei den Dreien jedoch hauptsächlich in den Pausen, im Dazwischen, in den zwischenmenschlichen Beziehungen, wenn sie Café trinken, diskutieren und mit Leidenschaft schwärmen. Wie das leise Knistern in den Tracks eine wohlig-warme Atmosphäre schafft, bilden die Gespräche über Musik das Grundgerüst für eine Harmonie. Musikliebe wird hier in Worte gekleidet. "Musik produzieren ist Ausprobieren," definiert Anders. "Es entsteht aus Aufgeben, ein bisschen Café trinken und wieder Ausprobieren. Denn von 10 Versuchen gelingt meistens nur einer." Somit ist Zuhören und Selektion einer der wichtigsten Fähigkeiten, weswegen Thomas als "listening guy" auch so eine wichtige Rolle im System übernimmt. Denn während Anders und Jesper die Technik kontrollieren oder komponieren, horcht und leitet er die Aufmerksamkeit auf interessante Stellen und Fehler, die dann Dank der Technik sofort "eingefroren" werden, um sie zu konservieren.
Denn Fehler bilden hier oftmals einen der Kernpunkte der Arbeit. "Hört man am nächsten Tag noch einmal die Stellen durch, die man am Vortag produziert hat und löscht die Fehler, so löscht man auch unweigerlich diesen magischen Moment, der diese Stelle hervortreten ließ.", gesteht Anders. "Vor allem das Nicht-Löschen der Fehler erfordert viel Disziplin.", fügt Thomas hinzu und erklärt Disziplin als Katalysator für das Vorankommen des Projektes und als Mindestanforderung für die demokratischen Prozesse innerhalb des Teams.

Den Tracks der Kopenhagener tut das nur gut und so betten sie ihre schweren gemütlichen Bassläufe in eine Atmosphäre aus knisternden Mustern und Gadgets, die über und zwischen den Sounds liegen, mal per Mikrofon im eigenen Studio entstanden oder durch das Manipulieren der Klänge per Technik. Doch Software und Hardware ersetzt hier nie das Gefühl für Melodie, denn das ist für alle der Dreh und Angelpunkt. Zwar können Plug-Ins die Stimmung der Sounds manipulieren und dadurch evtl. die Melodien beeinflussen, doch das warme Menschliche ersetzt kein Mechanismus attestieren Anders und Thomas.
Liebenswürdig und menschlich ist auch der Umgang mit Fans und Tauschbörsen im Internet. Neben den extra für die eigene Homepage produzierten Tracks, durchstöbert Anders des öfteren, die File-Sharing-Systeme, um festzustellen, ob und welche seiner eigenen Tracks angeboten werden. Muss er feststellen, dass nirgends seine Stücke zum Download vorhanden sind, reagiert er enttäuscht. Schmunzelnderweise gesteht er da einen gewissen Narzissmus und Thomas staunt angesichts des Spleens. Auch ihm ist es nur recht, wenn die Musikliebhaber durch MP3 von ihrer Musik erfahren. Darum ist die Wahl des Labels auch nur Ausgangspunkt, um an die richtigen Zuhörer zu geraten und nicht um das Portmonaie zu vergrößern. Man lebt nun mal für die Musik und das Dazwischen und Geld besorgt man sich woanders.
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